Autor: Alex

Über das Reparieren

Neulich habe ich eine Geschichte vorgelesen, die davon handelte, wie ein kleines Mädchen Schwierigkeiten hatte sich an die neue Patchwork-Familie zu gewöhnen, weil ihre Mutter wieder heiratete. Sie hasste das Wort Patchwork und ihre Oma schenkte ihr zur Hochzeit aber genau eine solche Decke. Das Schöne an der Geschichte ist, die Decke hat die Oma aus Textilien zusammen genäht, die einmal Menschen gehörten, die das Mädchen sehr liebt. Oder auch ein geliebtes Kleidungsstück, das ihr zu klein geworden ist, hat die Oma in den Quilt eingearbeitet. Sie zeigt ihr damit, dass es möglich ist, ganz verschiedene Fleckerl, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, zu einem Ganzen zusammenzufügen. Für das kleine Mädchen heißt das im übertragenen Sinn, dass sie sich an die neuen Familienmitglieder gewöhnen wird und mit ein bisschen Empathie und Liebe auch mit ihnen zu einer neuen Familie zusammenwachsen kann. Mir gefällt das Bild und es liesse sich auch im Großen gesamtgesellschaftlich anwenden. Oh well… „The act of sewing is a process of emotional repair.“                     …

Jürgen – eine Begegnung

Ich habe Jürgen kennengelernt, ohne dass es einen Zusammenhang mit Kleidung gab. Das kam erst später und brachte mich dann endgültig dazu, ihn zu interviewen, in seine Welt einzutauchen und zu lernen. Jürgen tauchte immer wieder einfach in unserem Atelier auf und half mir bei Schreinerarbeiten oder er wollte einfach nur ratschen und einen Tee trinken. Eines Tages kam ich ins Atelier und vor der Tür lag eine große Tasche mit hochwertigster Herrenkleidung – Eine wasserdichte Outdoor Jacke, Hemden und Hosen – mit herzlichen Grüßen von ihm, er möchte mich und meine Idee gerne unterstützen. Welch schöne Geste, ich habe mich sehr gefreut und habe sofort angefangen seine Sachen zu verwerten. Hier sind einige Fotos, die aus seinem Hemd und seiner Jacke entstanden sind. Nun hatte ich also endlich die Gelegenheit Jürgen zu befragen. Trifft man ihn zum ersten Mal, wird man fast umgehauen von seiner Präsenz und seinen entlarvenden Fragen. Er ist der Typ Mensch, dem man sofort vertraut und der einem das Gefühl gibt, mit ihm zusammen kann man alle seine Probleme lösen. …

Hinter den Kulissen von story of my shirt

Heute habe ich beschlossen mal ein bisschen von mir zu erzählen und was ich so mache, wenn es hier sehr still wird. Wie einige von Euch ja mitbekommen haben, arbeite ich gerade daran Produkte zu entwickeln, die sich potentiell verkaufen lassen. Es ist viel Arbeit kann ich da nur sagen, aber noch nie habe ich Arbeit so genossen, wie diese hier. Wer mir auf Instagram folgt oder meine Facebook Seite abonniert hat, bekommt ja hin und wieder einen Einblick, woran ich gerade arbeite. Jetzt habe ich aber zum ersten Mal ein richtiges Foto Shooting organisiert mit dem tollen Fotografen  Andre Gartner und meinen zwei  überragenden Models Johanna und Hanna. (Auch an dieser Stelle nochmal 1000 Dankesküsse an Euch Drei!) Das war vielleicht aufregend…Ich habe also noch in Windeseile mehr von meinem Origami-Schmuck gemacht und noch eine Schiebermütze und ein Kleid! Als Deko habe ich unseren Wohnzimmertisch entführt und weil ich keine schöne Blume finden konnte, musste kurzerhand die Artischocke herhalten. Ich bin ganz verliebt in die Artischocke als Deko, aber demnächst werde ich sie wohl kochen müssen… …

Johann – eine Hausauflösung

Ja was ist denn das? Ein schöner Mann mit einer schönen Mütze in einer schönen Landschaft. Der Mann ist meiner (yay!) und auf seinem Kopf tront meine neueste Leidenschaft: die Schiebermütze! Ich habe sie aus dieser Anzugsjacke gemacht, die ich bei einer Hausauflösung mitgenommen habe.        Und wie ich an diese Jacke gekommen bin, das war so… Durch einen Zufall habe ich von einer Hausauflösung in der Nähe erfahren und musste natürlich sofort dort hin. Gleich am nächsten Morgen setzte ich mich ins Auto, um mich mit Katrin zu treffen, die mich durch das Einfamilienhaus führte und mir alle Sachen zeigte, die zu haben waren. Es war ein wahrscheinlich in den 70er Jahren gebautes Haus, viele braune Fliesen und Eichenschränke. Ich kam an und es herrschte völliges Chaos, das Katrin, eine Helferin aus der Nachbarschaft, innerhalb von 3 Wochen bezwingen musste. Denn dann sollte das Haus wieder neu vermietet werden. Der Besitz eines ganzen Lebens Ich fühlte mich sofort wie ein Eindringling. Der alte Mann, der hier vorher noch gelebt hat, war ins Altenheim gezogen und …

Textile Geschichten mit Suschna

Susanne Schnatmeyer habe ich vor einiger Zeit bei Twitter entdeckt und seitdem bin ich begeisterte Leserin ihres Blogs „Textile Geschichten„.  Was begeistert mich so sehr, das ich ihr einen eigenen Blogpost widmen möchte? Suschna (so nennt sie sich bei Twitter) behandelt einen Aspekt von Mode und Kleidung, der im deutschsprachigen Raum leider sträflich vernachlässigt wird. Sie schreibt über textile Kulturgeschichte, das heißt sie befasst sich mit historischen Handwerkstechniken, Kleider- und Modefragen in einem kulturellen Zusammenhang und recherchiert zu diesem Zwecke in historischen Originalquellen. Ihre genaue und aufwändige Recherche fasst sie in angenehm formulierten Blogposts zusammen und veranschaulicht sie mit viel Bildmaterial. Sie gibt aber auch Tips zu Ausstellungen und zeigt in ihren Stoffspielereien jeden Monat eigene Umsetzungsversuche von verschiedenen Handwerkstechniken. Ende letzen Jahres hat Susanne dann ein wunderhübsches, kleines Geschenkbüchlein im Selbstverlag veröffentlicht. Darin erklärt sie Redensarten, die aus den textilen Handwerken  stammend, fest in unserem heutigen Sprachgebrauch verankert sind. Sie forscht nach warum wir aus dem Nähkästchen plaudern, den roten Faden suchen oder gar den Faden verloren haben und erklärt kurz, prägnant und vor allem unterhaltsam, …

Lesestoff

In der letzten Zeit habe ich so viele neue interessante Blogs und Projekte entdeckt, dass ich Euch heute einige davon in diesem Post vorstellen möchte. Hindi Kiflai – DailyRewind Anfangen möchte ich mit Hindi Kiflais Blog DailyRewind, den ich wie immer viel zu spät entdeckt habe. Hindi hat 2015 ein tolles Projekt gestartet: jeden Tag postete sie auf ihrem Blog ein Outfit, das komplett aus second hand Kleidungsstücken bestand. Sie schreibt, dass sie einfach keine Lust mehr hatte sich neue Looks diktieren zu lassen und so ist sie auf den „Nachhaltigkeitsgeschmack“ gekommen. Fair hergestellte Biomode ist jedoch nichts für den kleinen Geldbeutel und die Idee war geboren: Cool aussehen geht auch mit second Hand Kleidung. Ich habe mich mit großer Freude durch die Bilder geklickt, weil Hindi in wirklich jedem Outfit toll aussieht. Aber auch ihr sympathisches Lächeln und ihre locker geschriebenen Texte, die sie fast jeden Tag mit einem interessanten Lese- oder Anschau Tipp spickt, haben mir sehr gefallen. Dringende Leseempfehlung!                                   …