Autor: Alex

Ist denn schon Sommer?

Als ich neulich auf meinem Streifzug an einer Reinigung vorbeikam, fiel mir ein eigentlich unscheinbarer Kleiderständer auf. Daran hingen einige Kleidungsstücke, die „billig zu verkaufen“ waren. Da konnte ich natürlich nicht anders und musste ein bisschen stöbern… Zwischen sechs Stuhlhussen, einem Anzug, einem sehr schlabberigen Moschino T-shirt habe ich mein nächstes Projekt gefunden. Ein weiß-blau gestreiftes Carhartt Hemd aus sehr hochwertigem Köper, der sich wunderbar weich anfühlt. Ich wollte unbedingt etwas daraus machen! Zufällig war auch die Senior-Geschäftsführerin Frau Baier da, die ich gleich ein bisschen interviewt habe:  Was sind das für Leute, die ihre Sachen hier nicht abholen, können sie sich sich an die Kunden erinnern? Das weiß ich nicht, die meisten vergessen die Sachen einfach, manche ziehen weg, manchmal ist auch jemand verstorben. Sind da auch manchmal ungewöhnlichere Sachen dabei? Naja zum Beispiel diese Stuhlhussen. Die habe ich schon seit 3 Jahren. Ich habe gedacht, die verkaufe ich schnell und bekomme noch einigermaßen was dafür, aber wenn sie jetzt nicht bald weggehen, gebe ich sie in die Altkleidersammlung. Das heißt, sie schmeißen Sachen …

Interview mit Reinhard

Ausgemacht war, dass ich ein halbes Stündchen vorbei komme und wir kurz über die Hosen reden. Geblieben bin ich dann fast den ganzen Nachmittag und Reinhard hat mir seine riesige Bibliothek gezeigt, hat mich wertvolle Künstlerbücher anschauen lassen und mir viel erzählt. Er hat mich in eine ganz eigene Welt entführt und wir haben tatsächlich Gemeinsamkeiten in unseren beiden „Interessensgebieten“ gefunden. Hier ist also ein Auszug aus dem sehr langen Gespräch mit Reinhard Grüner, 64 Jahre, Besitzer der weltgrößten Sammlung an Künstlerbüchern, darunter Andy Warhol, Robert Mapplethorpe und Roy Lichtenstein. Hauptberuflich ist er Lehrer für Geschichte und Englisch, sowie stellvertretender Schulleiter. Wie sind sie dazu gekommen diese Kunstbücher zu sammeln? Ist das beruflich oder einfach ein Hobby? Überhaupt nicht, ich habe 1975/76 in England studiert und war Stipendiat des Deutschen akademischen Austauschdienstes und da sind wir an einem Tag mit einem Freund an die Ostküste gefahren und da gab es so einen kleinen Laden in Whitstaple hieß der Ort, und da hab ich ein kleines Buch gefunden „An dissertation upon roast pig“ also „Abhandlung über …

Women in Clothes oder so kann ich nicht rausgehen

Kennt ihr diese Tage, an denen man anziehen kann, was man will, man denkt immer, dass man seltsam aussieht. Oder unmodisch, langweilig, altbacken… Obwohl man dieses schicke neue Teil anhat. Plötzlich kann man es nicht mehr kombinieren mit anderen Sachen aus der Garderobe, geschweige denn selbstbewusst darin auftreten. Wenn ich dann auf die Straße gehe und alle diese gutaussehenden, trendy und modebewussten Damen sehe, fühle ich mich noch doofer. Ich werde dann richtig eifersüchtig auf diese Frauen und frage mich, warum ich es nicht hinbekomme so lässig und unaufgeregt schick auszusehen. Letztendlich lande ich dann wieder in meiner „Uniform“. Kleidungsstücke, in denen ich mich sicher, aber auch unsichtbar fühle. Das sind Jeans, T-Shirt, schwarze Jacke und schwarze Schuhe. Damit kann man nichts falsch machen und sich wunderbar dahinter verstecken. An solchen Tagen lese ich unheimlich gerne in diesem Buch: „Women in Clothes“  (Sheila Heti, Heidi Julavits, Leanne Shapton & 639 others). Es ist eine Sammlung von Anekdoten, Essays, Fotos und Interviews von Frauen über ihre Beziehung zu Kleidung, Stil, Make-up, Haare und Selbstwahrnehmung. Darunter sind …

Jacke wie Hose

Ich gehe viel spazieren in letzter Zeit und während dieser Spaziergänge durch das Viertel entdecke ich immer wieder Dinge, die mir vorher nie aufgefallen waren. Zum Beispiel, dass Menschen wahnsinnig gerne Sachen in den Hauseingang stellen, um sie Passanten zu schenken. Einfach so. Da gibt es Bücher und CDs im Angebot. Geschirr und alte Platten. Und eben auch Kleidung.  Warum machen die das? Besonders Kleidung vor die Tür zu legen lässt mich schmunzeln. Soll man die Sachen dann dort auch anprobieren? Warum bringen sie die alten Kleider nicht zum Altkleidercontainer? Oder vielleicht wollen sie die Sachen gar nicht hergeben und holen sie nach einer Nacht draussen auf der Straße wieder zu sich in die warme Wohnung? Fragen über Fragen. Insbesondere jetzt wo ich zwei Hosen geschenkt bekommen habe. Schöne Wollhosen in gutem Zustand, eine kariert und eine dunkelblau. Sie sind nur ein bisschen aufgeraut vom Fahrrad fahren und die Säume hingen herunter. Ich habe sie bei mir aufgenommen und erstmal gewaschen. Und angestarrt. Ich habe die beiden fast 4 Tage angestarrt, um in ihnen zu …

David’s Hemd

  Wo hast du das Kleidungsstück gekauft (Ort, Laden)?  Debenhams, Cork, Irland. Dort haben sie damals auch Zara Sachen verkauft. Hast du es gerne getragen? Warum? Ja und nein. Ich musste es kaufen, weil mein Onkel gestorben war und es war für meinen schwarzen Anzug gedacht. Es war eine sehr enge Größe M, aber ich fand, dass ich sehr gut darin aussah. Zu welchen Gelegenheiten hast du es getragen? (Arbeit, Freizeit, besondere Anlässe)? Zuerst zur Trauerfeier, danach beim Ausgehen und zur Arbeit (unter einem Pullover mit V-Ausschnitt). Hast du das Kleidungsstück dazu benutzt, um ein bestimmtes Bild von dir zu kreiieren bzw hast du es dazu benutzt dich in eine bestimmte Stimmung zu bringen? Beschreibe das Bild von dir bzw die Stimmung. Es war auf jeden Fall mein „dressed-up“ Hemd. Er war besser geschnitten (und enger), als alle anderen Hemden. Man hat gesehen, dass es anders war und ich habe mich stylisch darin gefühlt. Gibt es ein besonderes Erlebnis, das du mit dem Kleidungsstück verbindest? Beschreibe es. Meine Tante hat mir am Tag der Beisetzung …

Der Anfang…

…ist immer schwer. Wo genau fange ich bloß an? Vielleicht bei diesem Foto… (ich bin die Kleine, die Große ist meine Mutter). Genäht habe ich also schon immer. Als ich älter war, die klassische Maßschneider-Ausbildung. Alte Schule. Doch dann kam mir das Theater und die Theorie dazwischen und auf einmal waren Kleider soviel mehr als Stoff, den man zusammen näht und der uns bedeckt. Davon will ich hier auch hin und wieder schreiben, kleine Ausflüge in die Kostümgeschichte machen und spannende Geschichten von Kleidern, erzählt durch Kleider, aufschreiben. Doch hauptsächlich möchte ich hier von meinen Upcycling Projekten berichten und den Weg von einem Produkt zu einem neuen nachzeichnen. Ich will die ehemaligen Besitzer erzählen lassen und sie kennenlernen. Manchmal heißt das auch ein bisschen Detektiv spielen… Dann interessiere ich mich natürlich für andere Upcycling Designer/innen und Schneider/innen, und für Bücher und Filme mit diesem Thema. Wenn ich etwas Tolles entdeckt habe, möchte ich es hier vorstellen. Das ist die Idee. Jetzt fange ich also an. Wenn ihr das lest, dann lasst mich doch wissen, was …