Interview, story
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story #4 Timmy

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Foto: Julia Richter (www.apersonalstyle.com)

Warum hast du dieses Kleidungsstück für das Porträt ausgewählt, was macht es so besonders für Dich?

Ich habe mir diese schwarze Jeans ausgesucht, obwohl ich eigentlich andere, ausgefallenere Kleidungsstücke habe, die mir noch viel besser gefallen. Die Hose trage ich auch gar nicht mehr, aber sie bedeutet mir halt viel, weil ich sie getragen habe zu der Zeit als ich bei „The Voice of Germany Kids“ mitgemacht habe. Ich hatte sie bei den Blind Auditions an und da war es mir sehr wichtig, was ich anhatte. Das war mein allererster Fernsehauftritt, so viele Leute sehen dich und daher ist die Hose allein deswegen schon etwas Besonderes für mich. Ich habe mich in der Hose einfach am wohlsten gefühlt, ich war sehr wählerisch, als ich das Outfit ausgesucht habe. Bei Hosen tue ich mir auch immer schwer etwas Gutes zu finden. Die Hose hatte am Anfang nur so ein kleines Loch und dann habe ich da ein bisschen mitgeholfen und herumgeschnipselt, dass die so aufgerissen ist… Ich mochte die Hose damals auch so gerne, weil die so eng geschnitten war. Das mag ich jetzt gar nicht mehr so, aber das war damals eine meiner ersten skinny jeans.

Wann und wo hast du das ausgewählte Kleidungsstück gekauft?

Da war ich wahrscheinlich so 13 oder 14, ich bin mit meinen zwei besten Freundinnen in die Stadt gegangen und wir haben ein bisschen geguckt. Die meinten dann: „Zieh doch mal bisschen engere Hosen an!“ Ich hatte bis dahin immer noch so breitere Hosen an und habe dann aber angefangen so meine eigenen Styles zu kreieren.

Die ersten Fotos für Julia hast du auch schon mit 13 gemacht. Du wirst wahrscheinlich dauernd auf Deinen Style angesprochen, oder?

Klar, gerade nach The Voice kam das schon häufig vor. Aber eher hier in München, in Berlin kommt das nicht so vor. Ich will nach der Schule auch unbedingt weg, nach Berlin oder London, weil ich schon das Gefühl habe, dass ich mich dort künstlerisch besser verwirklichen kann als hier. München bleibt natürlich immer meine Heimat, beste Stadt!

Was wolltest Du mit dem Outfit ausdrücken?

Also etwas bestimmtes ausdrücken wollte ich so direkt nicht, aber es war mir wichtig bestimmte Facetten zu zeigen. Ich hatte eben diese zerrissene Hose an und habe sie mit einer Fliege kombiniert. Diesen Gegensatz fand ich ganz gut, also die Fliege die eigentlich eher edlere Menschen tragen und die Hose, die ich mit so einem New-York-Underground Style verbinde. Dazu hatte ich noch einen Hoody von meinem Vater an und weinrote DocMartens. Die Kombi fand ich cool. Ich habe, glaube ich, in der Sendung auch mal gesagt, dass mein Style ein Mix aus Punk, Hipster und Vintage ist.

Beschäftigst Du dich denn auch mit der Zeit aus der die Vintage-Mode kommt? 

Hm, also das ist so ein Thema, denn als ich das in der Sendung gesagt habe, haben mich Leute online angeschrieben und gesagt: „Bitte nenn dich nicht Punk, denn du hast keine Ahnung!“ Also ich befasse mich nicht mit jeder Epoche, aber mich interessiert halt die Londoner Szene und da gehört Punk einfach mit dazu. Aber ich habe schon bemerkt, dass die Punks sehr sensibel sind…

Woher kommt denn dein Interesse für Kleidung und Mode? Hast Du da irgendwelche Vorbilder?

Also angefangen hat das alles tatsächlich mit Tokio Hotel, als die ihr erstes Album 2006 herausgebracht haben. Ich habe Bill Kaulitz gesehen und war wirklich einer der krassesten Fans, ich hatte absolut alles von Tokio Hotel: von der Bettwäsche, Poster, über Kissen, alles. Der Bill war damals immer krass geschminkt, das war jetzt nicht so meins dieses Emo-Zeug, aber ich fand es so cool, dass er einfach das gemacht hat, worauf er Bock hat.

Und er hat mir die Augen geöffnet, dass man einfach sein muss und sein darf, wie man ist.

Ich habe da bei mir selbst aber nicht so drüber nachgedacht, sondern das hat sich so entwickelt und ist einfach so aus mir heraus gekommen. Aber er war definitiv eine große Inspiration und Ikone für mich.

Irgendwann hat das aber dann auch aufgehört und ich vertraue inzwischen immer mehr meinem eigenen Gefühl und Geschmack. Ich finde es aber immer noch cool, einfach das zu machen worauf man Bock hat und nicht nur mitzulaufen. Es nervt mich schon auch, wenn mich Leute wegen meines Styles kritisieren und zwei Jahre später laufen sie auch so rum, weil es halt Mainstream geworden ist. Ich finde, man merkt das auch ganz schnell, wenn Leute irgendwas machen, dass nicht aus ihnen selbst herauskommt. Unauthentisch zu sein finde ich schrecklich.

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Foto: Julia Richter (www.apersonalstyle.com)

Wo kaufst du dann deine Sachen?

Ganz unterschiedlich, die Vintage Sachen finde ich auf Flohmärkten oder viel bei Pick’n’Weight, das ist zwar nicht ganz billig, aber die haben definitiv den stuff, den ich gut finde. Super Laden. Und dann kaufe ich schon auch bei Zara oder auch mal bei H&M, so Basics oder man findet im hintersten Regal einen Pulli, den man gut anziehen kann.

Ich habe in einem Interview mit dir gelesen, dass du auch nähst. Ist das etwas, das du dir auch beruflich vorstellen kannst – Mode, Styling, Design?

Also das habe ich früher mehr gemacht. Inzwischen ist die Musik eigentlich das, was ich wirklich machen möchte. Ich produziere ja auch Songs mit meinem Produzenten und Songwriter und das ist mir sehr wichtig. Aber ich will das Nähen auch wieder in Angriff nehmen, in meinem Zimmer steht die Nähmaschine und ist ganz verstaubt. Aber ich muss auch zugeben, dass mir dafür auch ein bisschen die Geduld fehlt. Ich habe schon öfter Praktika bei Schneidern gemacht und musste feststellen, dass ich nicht so gut darin bin mir Kleidung dreidimensional vorzustellen. Die Schnitte und das Umsetzen ist ja ganz schön kompliziert! Ich habe da auch echt Respekt davor, wenn jemand ein Kleidungsstück von Anfang bis Ende selbst herstellt. Aber für mich ist das als Beruf wohl eher nichts.

Aber es macht mir zum Beispiel schon Spaß meinen Freunden Sachen vorzuschlagen, was sie anziehen könnten. Aber da muss man auch aufpassen, dass man die nicht zu sehr verändert und das dann nicht mehr zu ihnen passt.

Du bist inzwischen ja selbst Vorbild für deine Fans und hast viele Follower auf Instagram, die dich ja richtig anhimmeln. Wie ist das für dich?

Es ist schon Wahnsinn. Manchmal denke ich mir, womit habe ich das eigentlich verdient?! Es ist schon toll, dass man aus dem Internet so viel Liebe und Komplimente bekommt und man hört, dass man super ist. Aber es beängstigt mich manchmal auch, wenn Leute mir schreiben „I love you – Ich kann ohne dich nicht leben – wann treffen wir uns?“ Wenn ich dann nicht zurückschreibe, dann kommt: „mein Tag ist gelaufen, warum tust du mir das an?“ und da fühle ich mich dann verantwortlich. Das überfordert mich auch, weil ich natürlich nicht will, dass jemand wegen mir traurig ist, weil ich nicht zurückgeschrieben habe. Es gibt halt auch Leute, die nicht so stabil sind.

Aber auch andersherum, im Internet haben manche Leute ein großes Maul und schreiben echt fiese Sachen. Zwei Teilnehmer aus einer anderen Staffel von The Voice haben sogar Morddrohungen bekommen. Mein Bild hat mal jemand auf 9gag verwendet und die Kommentare darunter waren echt krass. So in dem Stil: „Tötet ihn bevor er Eier legt, kill it with fire…“ echt schlimm. Aber ich versuch das mit Humor zu nehmen, manchmal ist es auch echt witzig, aber damals als ich da auf 9gag von 100.000 Leuten in den Kommentaren beleidigt wurde, war das schon fies.

Aber im Großen und Ganzen macht es mir Spaß Fotos zu machen und andere mit meinem Style zu inspirieren. Mich freut es dann auch immer sehr, wenn mir Leute schreiben, dass sie durch mich auf neue Ideen gekommen sind.

Als ich Julia Richters Blog „a personal style“ entdeckte, war Timmy sofort einer meiner Lieblingsporträtierten. Die Geschichte wie ich Julia kennenlernte, könnt ihr hier nochmal nachlesen. Als ich Timmy persönlich kennengelernt habe, hat er mich mit seiner sanften Art und seiner Suche nach dem Ungewöhnlichen vollkommen verzaubert. Tim war 2013 Finalist in der Casting-Show „The Voice Kids„, da war er 14 Jahre alt. Seitdem veröffentlicht Timmy unter dem Namen Tim Acid seine eigenen Songs.

 Timmys ganzes Outfit und noch mehr coole Fotos von ihm könnt ihr HIER bei Julia sehen. Checkt unbedingt auch mal Timmys Instagram Account!

english version

Why did you choose this piece of clothing for the portrait, why is it so special to you?

I chose this black pair of jeans even though I have so many other more eccentric pieces which I like a lot more. I don’t even wear these jeans anymore but they mean a lot to me because I wore them while I was on „The Voice of Germany“. I wore them for the blind auditions and I cared a lot about what to wear for that. It was my very first TV appearance, so lots of people were watching and that alone made this pair of jeans so special to me. I felt really comfortable in them, I was very picky when I chose my outfit for the show. It’s hard for me to find good pants. First the trousers had a tiny little hole and then I helped a little and snipped a little here and there so that they ripped like that… I also really liked the pants back then because they were cut so tightly. I don’t like that too much anymore but back in the day those pants were my first pair of skinny jeans.

When and where did you buy the pants?

I must have been 13 or 14, I went to town with my two best girlfriends and we went window-shopping a bit. They said to me: „Why don’t you wear your jeans a bit tighter?“ Until then I only wore looser pants and after that I began to create my own styles.

You did your first photoshoots with Julia Richter of a personal style aged 13. You probably get those questions about your unique style a lot, don’t you?

Sure, especially after The Voice. But mainly here in Munich, I don’t get that so much in Berlin. I really want to leave Munich when I finish school. I want to go to Berlin or London because I have the feeling that I can express myself better artistically. Munich will always be my hometown though, best city!

Did you want to express something with your outfit?

No I didn’t want to express something specific, but I wanted to show certain facets. I had these ripped jeans and combined them with a bow-tie. I liked the controversy, meaning that only posh people wear bow-ties and I linked the pants with a New-York-underground-style. I also wore my dad’s hoody and dark red Doc Martens. I loved the combination. I think I even said on the show that my style is a mix between punk, hipster and vintage.

Are you interested in the times your vintage clothing comes from?

Hm that’s a touchy topic because when I said that on TV, people wrote to me saying: „Please don’t call yourself a punk, because you have no idea what that is!“ So, I don’t study every era but I’m very interested in the London underground culture and punk is a vital part of that. But I realize that punks are very sensitive…

Where does your interest in clothes and fashion come from? Do you have any role models?

It all really started with Tokio Hotel when they brought out their first album in 2006. I saw Bill Kaulitz and immediately became one of the biggest fans ever, I had absolutely everything from Tokio Hotel: bed linen, posters, cushions, absolutely everything. Bill used a lot of make-up back then, which wasn’t really for me, but I just thought it was so cool that he just did whatever he wanted. He opened my eyes to the fact that you need to be and are allowed to be just like you are. I didn’t really think about it too much though, for me it just developed naturally and it came out of me just like that. But he was definitely a big inspiration and an icon for me.

At some stage the ultra-fandom slowly stopped and started to trust my own feeling and taste more and more. I still think it’s cool to just do whatever you like and not only do what everybody else is doing. I get really annoyed as well when people criticize me or my style and two years later they wear exactly the same stuff because it became mainstream in the meanwhile. I think you can tell very quickly if people are doing things that are not coming from inside themselves. I think being unauthentic is awful.

Where do you buy your clothes?

That differs, the vintage stuff I find at flea markets or a lot at Pick’n’Weigh, the shop is not exactly cheap but I definitely find the stuff I like. Brilliant shop. And then I do buy at Zara or occasionally at H&M. You can find good basics or if you look in in the very back of their shelves you can find a good jumper.

I read in an interview with you that you also sew your own clothes. Is that something you still do and make a career out of it – fashion, styling, design?

Well I used to sew more a couple of years ago. But now I really want to do my music. I produce songs with my producer and songwriter and I really care about it. I want to start sewing again, there’s a sewing machine in my room getting all dusty. But I also have to admit that I don’t really have the patience for it. I did a couple of internships with tailors and had to realize that I’m not very good in three dimensional thinking. The patterns and the sewing itself is pretty complicated! I have a lot of respect if someone can produce a piece of clothing from start to end all by themselves. But as a profession I don’t think it is for me.

I do like it though to suggest outfits to my friends. But you have to be careful not to change them too much and choose stuff that fits their personalities.

You are a bit of a role model yourself for your fans and you have a lot of followers on Instagram that adore you. How do you feel about that?

It is crazy. Sometimes I wonder what I have done to deserve all this? It is really beautiful to get so much love and compliments online and people telling you how amazing you are. But it also scares me a bit. For example when people write „I love you – I can’t live without you – when can we meet?“  If I don’t answer their texts then eventually they go: „this is the worst day of my life, why are you doing this to me?“  I feel responsible then. I can’t handle this very well because of course I don’t want anybody to be sad just because I didn’t answer their message. But I suppose there are people who are not very mentally stable.

But it works the other way round as well, people have big mouths online and write really mean things. Two other contestants of The Voice even got death threats online. And somebody used a photo of me on 9gag and the comments underneath were vile. Along the lines of „kill him before he reproduces, kill it with fire..“ and so on, really bad. But I try and take it with humor, sometimes it is funny, but when 100.000 people on 9gag insult you then it’s a bit much.

But all in all I love doing photo shoots and to inspire other people with my style. It makes me really happy when people write that they had new ideas because of me.

When I first discovered Julia Richter’s blog „a personal style“, Timmy was immediately one of my favorite portraits. You can read the story how I met Julia here again. When I met Timmy in person, he charmed me with his sweetness and his thriving search for uniqueness. In 2013 Tim has been one of the finalists on the casting show „The Voice Kids„, he was 14 years old. Since then he publishes his own songs under the name of Tim Acid. You can see Timmy’s whole outfit over at Julia’s page and see some more of his amazing outfits. Also check out Tim’s Instagram account!

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