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story #3 Tobias

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Wann und wo hast du das ausgewählte Kleidungsstück gekauft?

Ich habe das Hemd in London gekauft in einer sehr schnuckeligen, kleinen Straße in Bloomsbury, also das zentrale Uni-Viertel in London, wo auch das Britische Museum ist, lauter schöne Galerien und Läden. Vor zwei Jahren waren wir also zu Besuch dort, Sarah, meine Partnerin, war auf einer Tagung und ich war mit unserem 9-monatigen Sohn unterwegs. Ich war also nur mitreisender Partner und Vater und konnte mit dem kleinen Baby nicht so wahnsinnig viel unternehmen, aber es war wahnsinnig schönes Wetter und so bin ich mit dem Kinderwagen durch London getuckert und habe ausgiebige Spaziergänge mit ihm gemacht. Ich bin immer in diese Straße gefahren, weil ich die von früher noch kannte, denn da gab es ein sehr schönes Café, einen super Buchladen und dann habe ich eigentlich mehr zufällig das Geschäft mit den Hemden entdeckt. Das war so ein richtig schickes Herrengeschäft. Ich kaufe normalerweise nicht so teure Kleidung, ich bin nicht so der Typ, der sich etwas Extravagantes anzieht oder leistet.  Aber das war zwei Monate vor meinem 50. Geburtstag Anfang Juni und ich hatte noch nichts anzuziehen für meine große Party! Ich habe da also das Hemd gesehen und bin eine Woche daran vorbeigeschlichen, weil das eben eine Preisklasse war, die ich mir normalerweise nicht leiste, einfach, weil ich nicht so einen Wert darauf lege und für Kleidung nicht so viel Geld ausgebe. Naja, aber es hat mich eben doch so angelacht, ich fand das Hemd irgendwie witzig. Dann war der Typ auch noch so nett, ich habe es dreimal anprobiert, mit großem Hin-und-Her, und am letzten Tag vor der Abreise bin ich dann nochmal mit der Kreditkarte in der Hand hingegangen und habe es mir gekauft! Tja, das war ne größere Anschaffung und der Typ meinte auch: „It’s a fun shirt for a fun day.“ und ich fand, dass ist genau das Richtige für den Anlass. Und die Party war echt gut, du warst ja da…

Und Deine Party Location und Deko hat genau zu Deinem Shirt gepasst…

Genau ich hatte eben schon die Location, das Palmenhaus, und wusste schon, dass es da so tropisch-exotisch aussehen würde und obwohl das normalerweise nicht so mein Style ist, habe ich mir das dann dafür einfach gegönnt.

Ziehst du das Hemd immer noch gerne an?

Ja schon, auf Partys oder wenn wir mal schick essen gehen, also für spezielle Anlässe zwei, dreimal im Jahr hatte ich es schon an. Der Geburtstag ist jetzt knapp zwei Jahre her und so lange ich noch reinpasse, trage ich es auch! Aber ich würde es jetzt nie an die Uni anziehen. Neulich war ich zum Beispiel auf einer Party von einer Unikollegin und jeder hat dann mein Hemd kommentiert und sagte: „Wow, was hast Du denn da an? So kennen wir dich ja gar nicht…“ Es ist also schon etwas auffälliger, wenn ich sowas trage, also zu offiziellen Anlässen ziehe ich das nicht an.

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Die Zeit um deinen 50. Geburtstag war ereignisreich und geprägt von großen Veränderungen?

Ja, da hat sich viel getan, mit Sarah habe ich einen neuen Lebensabschnitt begonnen, mein Sohn Benjamin wurde im August 2014 geboren und ich bin ein Jahr später 50 geworden. Das alles wollte ich mit der Party feiern. Teilweise sind Leute sogar von weiter her angereist und es war wirklich schön, alle mal an einem Ort zusammen zu haben.

Du bist ja relativ spät Vater geworden, wie hat sich dein Leben verändert dadurch?

Naja, organisatorisch hat sich schon einiges verändert, weniger Schlaf, weniger Arbeit, aber beides finde ich eigentlich gut. Eine Kollegin von mir hat mal gesagt:

„Children ruin your life for the better“

…und das finde ich eigentlich einen ganz guten Spruch…

Ich habe lange Jahre eben die Prioritäten auf das Arbeiten gelegt – ich arbeite sehr gerne an meinen Sachen, ist ja nicht so dass ich gezwungen werde – aber wenn man sich eben immer an den äußeren Dingen orientiert und an dem, was man schaffen muss und will, dann hat so ein Kind auf einmal ganz andere Forderungen. Ich finde, das war so ziemlich das Beste, was mir in meinem Leben noch passiert ist. Das muss ich sagen.

Zurück zur Kleidung. Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

(lacht) Ach ich fühl mich eigentlich nicht so stylisch…

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Tobias in seinem Arbeitszimmer. Man beachte auch das rosa Schwein oben auf dem Regal…

Welche Kleidung ziehst du denn gerne an?

Für den Job trage ich eigentlich schon immer Hemden und Jackett, das ist mittlerweile mein Standard. Anzüge allerdings nur bei Anlässen, bei denen das erforderlich oder erwartet wird. Krawatten nur ganz, ganz selten, wirklich nur für Bewerbungsvorträge oder Habilitations-Verfahren oder sowas, das ist mir sehr lästig. Und ansonsten eher funktional, es ist mir sehr lästig Klamotten einkaufen zu gehen, das mache ich sehr ungern. Es ist mir auch lästig darüber nachzudenken. Ich habe da nicht so eine Ader dafür, Sarah kümmert sich jetzt da drum…(lacht) Da nimmt sie mir häufiger die Entscheidung ab, was ich  mir kaufen soll, ich bin da einfach nicht so aufmerksam, was meine Kleidung anbelangt.

Benutzt Du Kleidung als Kommunikationsmittel?

Klar, natürlich kommuniziert man auch, wenn man nicht kommuniziert. Man kann nicht nicht kommunizieren, natürlich auch mit Kleidung. Es gibt so bestimmte Sachen, die ich jetzt einfach durchziehe, zum Beispiel, wenn ich eine Vorlesung halte, trage ich immer ein weißes Hemd mit einem Jackett, aber meistens dann kombiniert mit einer Jeans. Solche Sachen kommuniziere ich dann schon auch durch Kleidung, so dass ich da vorne als der Herr Professor rüberkomme, so will ich ja auch angesehen werden. Oder als ich Präsident der Shakespeare Gesellschaft war, da habe ich natürlich eine Krawatte getragen für all die wichtigen Anlässe, die da abgefeiert werden mussten. Da gab es natürlich dress codes der professionellen Art, aber ansonsten fühle ich mich auf dem Gebiet eher nicht so ambitioniert. Daher ist das Hemd, das ich ausgewählt habe tatsächlich etwas sehr besonderes, weil es das einzige Kleidungsstück ist, zu dem ich wirklich eine Geschichte erzählen kann.

Tobias habe ich für die Serie ausgesucht, weil er wirklich gar nichts am Hut hat mit Kleidung, bis ich ihn in diesem unglaublich tollen Flamingo Shirt gesehen habe. Tobias hat mir gezeigt, wie man Gedanken strukturiert, er hat mir eine Welt voller Geschichten  gezeigt und er hat mich nachhaltig mit seiner Begeisterung für Shakespeare angesteckt.

Tobias Döring ist Professor für Anglistik an der LMU München und er war bis vor Kurzem Präsident der Shakespeare Gesellschaft. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben und herausgegeben, eins meiner Lieblingsbücher ist eine Sammlung von Texten und Gedichte über die  Londoner U-Bahn „London Underground: poems and prose about the tube“ (amazon Link). Wer Tobias in einem Podcast hören will, wie er sehr kurzweilig über Shakespeare spricht, der möge sich die Sendung Doppelkopf anhören.

 

english version

When and where did you buy your chosen piece of clothing?

I bought the shirt in London, in an adorable little street in Bloomsbury, the main university quarter of London. Around there you can also find the British Museum alongside many beautiful galleries and shops. Two years ago my partner Sarah and myself visited London because Sarah was attending a conference and I accompanied her with our 9 month old son. So I was only the „plus one“, spouse and father, and couldn’t undertake that much with a small baby, but the weather was beautiful and so I ambled through the streets of London and went for long walks with the baby. I always went to this one street that I still knew from when I stayed there before, because it has a beautiful café and an incredible book shop. That’s how I discovered this shirt shop by accident. It was a very fancy gentlemens‘ tailoring shop. I normally don’t buy clothes that expensive, I’m not really the type who would wear something extravagant or spend money on it. But it was two months before my 50th birthday at the beginning of June and I didn’t have anything to wear for my big party yet! So I saw the shirt and tiptoed around it for a whole week simply because it was in a price range that I normally don’t spend because I don’t really care that much about clothes and don’t want to spend so much on them. But this time it really spoke to me and I thought the shirt was kind of funny. Then on top of it the shop assistant was so nice, I tried it on three times with lots of to-ing and fro-ing and on the last day shortly before we left, I came back to the shop with my credit card in my hands and finally bought the shirt!  Well that was a bigger purchase and the guy said to me: „It’s a fun shirt for a fun day.“ And I thought it was absolutely perfect for the occasion. The party was a lot of fun, you know it you where there…

And your party location and decorations matched perfectly with your shirt…

That’s right, I had booked the location already, the palm tree house in a botanical garden, and knew it would look tropical and exotic there. And even though it isn’t really my normal style I just treated myself to that shirt.

Do you still wear the shirt?

Sure, I wear it at parties or for a fancy night out, for special occasions two or three times a year. The birthday party was roughly two years ago and as long as I still fit in the shirt I’ll wear it! But I would never wear it for work at the university. I went to a university colleagues’ party recently and everybody commented on my shirt saying: „ Wow what are you wearing? I didn’t know you liked things like that…“ So people do notice it when a guy like me wears a shirt like that, so I would never wear that for an official occasion.

The time around your 50th birthday was eventful and marked with changes?

Yes a lot of things happened back then. I started a new life with Sarah, my son Benjamin was born in August 2014 and a year later I turned 50. And I wanted to celebrate all of this with this party. There were people at this party who travelled from far away and I so enjoyed having all of them in one place once.

You became a father relatively late in life. How did your life change with that?

Well it changed the whole organisation of my life; less sleep, less work, but I like both of it. A colleague of mine once said:

„Children ruin your life for the better“

and I think that really hits the spot.

For years work was my top priority – I love my work, nobody forces me to do it – but if you always focus on superficial stuff, things you want or have to get done, then you realize that with a child in your life, the focus is suddenly completely different. I think that this was the absolute best thing that happened in my life. I have to say that.

Back to the clothes. How would you describe your style?

(laughs) Ah I don’t feel very stylish…

What kind of clothes do you like to wear?

For work I always wear shirts and a suit jacket, that has become a uniform for me. I only wear suits on occasions that demand it. Ties very rarely for an inaugural lecture or official processes to gain professorship at the university, I really hate ties. Otherwise I’d say I dress functionally, I find it very annoying to go clothes shopping. I don’t like to think about it either. I don’t have the eye for it, Sarah is taking care of it now… (laughs) She helps me by deciding what to buy, I don’t pay so much attention to what I wear.

Do you use clothes as a way of communication?

Of course, you always communicate even if you’re not communicating. You can’t not communicate – it’s the same with clothes. There are a certain things that I consciously do now. For example, whenever I lecture at university I always wear a white shirt and a suit jacket but normally combined with a pair of jeans. I communicate with that the fact that I want to be seen as the Mr. Professor that I am. Or another example: when I was president of the German Shakespeare Society I wore a full suit with tie for all the important occasions that had to be celebrated. These were dress codes of the more professional kind, but otherwise I’m not really that ambitious when it comes to clothes. For that reason the shirt I picked is really very special because that’s the only piece of clothing I connect with a story.

I chose Tobias for this series because I knew that he really couldn’t care less about clothes until I saw him in this incredible flamingo shirt. Tobias is the one who taught me how to structure ideas, showed me a whole world full of stories and he sparked a lasting passion for Shakespeare in me.

Tobias Döring is a professor for English literature at the Ludwig-Maximilian University Munich and until recently was the president of the German Shakespeare Society.

He wrote and edited several books and my favorite book is a collection of poems and prose about the London underground he put together:  „London Underground: poems and prose about the tube“ (amazon Link) If you want to listen to Tobias talking in a very pleasant way about Shakespeare you should listen to the podcast Doppelkopf here.

story #2 Julia

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Hose von Julia Richter (www.apersonalstyle.com)

Wann und wo hast du das ausgewählte Kleidungsstück gekauft?

Die Hose, die ich mir für das Porträt ausgesucht habe, gehörte meinem Vater und ist eigentlich Teil eines ganzen Anzuges. Der Anzug ist aus Woll-Tweed und stammt aus den 70er Jahren und meine Mutter, die gerne Sachen aufhebt, hat ihn im Speicher aufbewahrt. Ich fand den sehr cool, besonders weil ich auch gerne Herrensachen trage. Die Hose begleitet mich jetzt schon sehr lange. Mein Vater ist ungefähr genauso groß wie ich und deshalb passt mir die Hose auch so gut. Er selbst würde da jetzt nicht mehr hineinpassen und auch früher muss er das sehr eng anliegend getragen haben. Mein Vater hatte früher auch so fette Koteletten, das hat schon gut ausgesehen.

Warum hast du es für dieses Porträt ausgewählt, was macht es so besonders für Dich?

Ich finde es toll, Kleidungsstücke zu vererben, und dass meine Mutter die „guten Sachen“ aufbewahrt hat. Sie hat gerne hochwertige und schöne Sachen gekauft mit sehr guter Qualität. Diese guten Sachen, die ihr auch etwas bedeutet haben, weil sie sie zum Beispiel an einem bestimmten Ort gekauft hat, in ei
ner bestimmten Boutique oder zu speziellen Anlässen, die hat sie alle auf dem Speicher aufgehoben. Für mich war das natürlich super, weil ich Flohmärkte schon immer mochte, so dass ich dort dann aus unserem eigenen Archiv schöpfen konnte. Ich mache das inzwischen auch selber, dass ich eine Menge Klamotten und Schuhe aufhebe. Und meine Töchter fangen jetzt auch schon an meine alten Sachen anzuziehen. Das Aufheben und Weitergeben ist also inzwischen schon bei der nächsten Generation angekommen.

Für mich ist es deshalb so besonders, weil es ein Familienstück ist, das weitergegeben wurde. Ich trage die Hose zwar in einem anderen Kontext, aber das Stück wird wirklich weiter genutzt. Und wer weiß, wenn die Motten nicht drangehen, gebe ich es meinen Töchtern weiter.

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Foto: Frank Bauer (www.frankbauer.com)

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story #1 Torben

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Wann und wo hast du das ausgewählte Kleidungsstück gekauft?

Das Shirt habe ich im letzten Jahr im Online-Shop des kalifornischen Schallplattenlabels Dark Entries Records bestellt. Und eine Woche nachdem es per Post ankam und ich mich in Design, Druck & Passform verliebt hatte, habe ich es gleich noch ein zweites Mal bestellt.

Warum hast du es für dieses Porträt ausgewählt, was macht es so besonders für Dich?

Da muss ich jetzt ein wenig ausholen. Auf dem Shirt ist das Portrait von Patrick Cowley zu sehen, ein amerikanischer Musiker & Produzent und für mich eine Ikone und Leitfigur schwuler Tanzmusik. Zusammen mit Sylvester hat er in den späten 70ern und frühen 80ern HiNRG-Hits wie „Do you wanna funk“ oder „Menergy“ produziert. Manch einer kennt vielleicht auch seinen 15-Minuten Remix von Donna Summers „I feel love“. Seine Musik bedeutet mir sehr viel, trotz oder gerade wegen ihrer Schwülstigkeit und ihrem überbordenden Hedonismus, der in einem krassen Spannungsverhältnis zu der Situation der Gay-Community in den frühen Achtzigern steht. Das war ja eine ziemlich dunkle Zeit. Soziale Ausgrenzung & Stigmatisierung, gewalttätige Übergriffe, die ersten AIDS-Fälle und die damit verbundenen Unsicherheiten und Ängste. Cowley gehörte dann auch gleich zu den ersten prominenten AIDS-Toten, er verstarb bereits 1982 mit 31 Jahren. Kaum auszudenken, was da musikalisch noch möglich gewesen wäre.

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Torben aka Sergeant Pfeffer

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Rückblick und Ausblick

Hier melde ich mich nun endlich wieder zurück mit einem neuen Post! Es ist zwar schon reichlich spät für einen Rückblick, aber besser spät, als nie…

2016 war auch für mich ein schwieriges Jahr und ich musste mir viel eingestehen und Konsequenzen ziehen. Die wichtigste und gleichzeitig bitterste Erkenntnis war wohl, dass es für mich nicht funktioniert aus meiner Leidenschaft ein Business machen zu wollen. Mir fehlt, glaube ich, einfach das Unternehmergen. Der Druck mit story of my shirt Geld verdienen zu müssen, hat wirklich jede Idee versiegen lassen. Noch nie war ich so gestresst und gelähmt,  die Existenzangst hat mich fast erdrückt. Seit ich das endlich eingesehen habe und – anstatt an mir herum zu optimieren – mir einen Job gesucht habe, der mir regelmäßig zumindest ein kleines Einkommen auf mein Konto spült, geht es mir besser. Über Weihnachten hatte ich dann Zeit mich wieder ein bisschen zu sortieren und mir einfach mal bewusst zu machen, was ich eigentlich will bzw. nicht will.

Was das jetzt beruflich für mich bedeutet, steht auf einem anderen Blatt, aber für story of my shirt heißt das: Hier werde ich in völlig planloser, nicht-marketing-tauglicher, aber immer zu 150% leidenschaftlicher Art und Weise Dinge zeigen, beschreiben und vorstellen, die ich gut finde. Leute, die mich begeistern. Kunst und Mode, die mich begeistert. Themen, die mich begeistern. Zwischendurch zeig ich auch mal, was ich selbst so fabriziere. Alles ohne Hintergedanken damit Geld verdienen zu müssen.

„Das Neue darf nicht bewusst im Rahmen einer Strategie geplant sein, die auf den Erfolg ausgerichtet ist.“  

(Zitat von Boris Groys aus Ingrid Loscheks Buch „Wann ist Mode“ )

Ingrid Loschek schreibt weiter, dass eine wesentliche Voraussetzung für kreatives Schaffen die Freiheit sei: Freiheit des Denkens, Fühlens und Machens.

Als ich das gelesen habe, war mir auf einmal vollkommen klar, was bisher mein Problem war und irgendwie ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Diese Freiheit möchte ich mir hier mit story of my shirt bewahren, denn ich will Neues entdecken und entwickeln, und mich dann nicht der Massenherstellung, dem Verkauf und dem Marketing widmen, sondern intuitiv das Thema wechseln.

Mit dieser neuen Klarheit, hatte ich auch das Bedürfnis den Look des Blogs zu verändern. Ich habe mich vom etwas blumigen Stil meines Blogs verabschiedet und habe alles etwas schlichter gestaltet. Ich hatte das Gefühl, dass das so jetzt viel besser zu mir passt und es mir mehr Raum gibt „story of my shirt“ zu interpretieren. Ich habe auch noch vor, den Blog strukturell umzugestalten, aber das muss jetzt erst einmal warten. Sonst bekomme ich einen Herzinfarkt, wenn ich mich mit soviel Technik auf einmal auseinandersetzen muss…

In den nächsten Tagen starte ich mit einer Porträt Reihe: Menschen zeigen ein Kleidungsstück aus ihrer Garderobe und erzählen ihre story dazu.  Back to the roots also! Ich freue mich sehr darauf!

Wenn ihr also auf all das Lust habt, bleibt mir gewogen, ich freu mich über jeden, der diese Zeilen liest.

 

Behind the scenes: Aufzeichnung der TV-Sendung Freizeit

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Bild: André Goerschel

Was war ich aufgeregt, als mich die Redakteurin vom Bayerischen Fernsehen angerufen hat und mich gefragt hat, ob ich Lust hätte bei der Sendung Freizeit mitzumachen! Die Sendung wird moderiert von dem unheimlich sympathischen Max Schmidt, dessen Aufgabe für die Sendung es ist, Dinge auszuprobieren.

Nach einer fast 4-wöchigen Vorbereitungsphase, in der wir überlegt haben und ausprobiert haben, wie wir am besten zeigen, was ich mache, bin ich also am 27.Oktober nach Ottensoos bei Nürnberg gefahren, um die Sendung aufzuzeichnen. In Ottensoos gibt es den Kulturbahnhof, ein altes Bahnhofsgebäude, das von Renate Kirchhof-Stahlmann und ihrem Mann in ein Kunstmuseum und Begegnungsstätte umgewandelt wurde. Sie widmen sich der Nachhaltigkeit auf verschiedene Weisen und bieten Raum für Bildung und Austausch.

Da habe ich mit meinem storyofmyshirt-Projekt natürlich gut dazu gepasst und so kam es, dass wir die Sendung in Nürnberg und nicht in meinem zu kleinen Atelier in München gedreht haben.

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Stoffkunst -Kunst aus Stoff

Storytelling funktioniert nicht nur über eine/n Erzähler/in oder das gedruckte Wort, sondern auch über Bilder, Gegenstände oder Materialien. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich also mit Textilkunst und möchte heute Künstler vorstellen, die Stoff und Kleidung auf ganz besondere Art für ihre Kunst verwenden. Die Dekonstruktion der Materialien in ihrer ursprünglichen Form ist auch hier Teil der Arbeit, um dem Folgeprodukt eine Bedeutung zu geben bzw. eine zum Teil auch politische Verbindung zwischen Alt und Neu herzustellen.

Mister Finch

Angefangen hat es mit einer Sonntagsbeilage einer großen, irischen Tageszeitung, in der ein Künstler vorgestellt wurde, der aus alter Kleidung, Accessoires und Draht teilweise mannshohe Figuren näht und zusammenbaut. Mister Finch heißt er und ich habe mich schockverliebt in seine Hasen, Eulen, Füchse, Pilze, Motten und viele andere märchenhafte, seltsame Kreaturen.

Finch, der zurückgezogen in Leeds/ UK lebt und arbeitet, kreiert mit seinen Figuren eine eigene, magische Welt, die sich zusammensetzt aus vermenschlichten Tieren, inspiriert durch englische Folk Tales und einem Hauch von gothic Märchen. Er verwendet gebrauchten Stoff, Kleider, Vorhänge, alles was er finden kann, und bearbeitet ihn so, dass es aussieht als wären seine Figuren lebendig und kämen gerade von der Gartenarbeit oder aus dem Wald.

(Alle Fotos mit Erlaubnis von Mr.Finch. www.mister-finch.com)

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Über das Reparieren

Neulich habe ich eine Geschichte vorgelesen, die davon handelte, wie ein kleines Mädchen Schwierigkeiten hatte sich an die neue Patchwork-Familie zu gewöhnen, weil ihre Mutter wieder heiratete. Sie hasste das Wort Patchwork und ihre Oma schenkte ihr zur Hochzeit aber genau eine solche Decke. Das Schöne an der Geschichte ist, die Decke hat die Oma aus Textilien zusammen genäht, die einmal Menschen gehörten, die das Mädchen sehr liebt. Oder auch ein geliebtes Kleidungsstück, das ihr zu klein geworden ist, hat die Oma in den Quilt eingearbeitet. Sie zeigt ihr damit, dass es möglich ist, ganz verschiedene Fleckerl, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, zu einem Ganzen zusammenzufügen. Für das kleine Mädchen heißt das im übertragenen Sinn, dass sie sich an die neuen Familienmitglieder gewöhnen wird und mit ein bisschen Empathie und Liebe auch mit ihnen zu einer neuen Familie zusammenwachsen kann. Mir gefällt das Bild und es liesse sich auch im Großen gesamtgesellschaftlich anwenden. Oh well…

„The act of sewing is a process of emotional repair.“                                                                                                         Louise Bourgeois

Es soll also um das Reparieren gehen, hier bei mir. Kleidung zu reparieren ist in etwa so alt wie das Herstellen von Kleidung selbst. Erst in jüngster Zeit wurde es zurück gedrängt von fast fashion, die statt dem Reparieren den Neukauf an erster Stelle sieht. Die Reparatur von Kleidung ist jedoch etwas, das immer auch auf kunstvolle Weise geschieht, setzt es doch eine gewisse Kenntnis des Materials, aber auch des Trägers voraus.

Sashiko

Ich habe zwei spannende Reparaturthemen herausgesucht und will Euch als erstes von Sashiko erzählen, eine alte, japanische Form des Stickens bzw des Quiltens. Ende des 19.Jahrhunderts war Sashiko eine Methode, um robuste Kleidung für Fischer, Bauern und Feuerwehrmänner herzustellen. Es wurden Stoffstücke aus Hanffaser mit speziellen Stichen zusammengenäht, um dem neuen Kleidungsstück Stabilität und dem Träger Schutz vor Kälte oder Hitze zu geben. Es wurden aus alten, kaputten Kleidungsstücken die guten Stücke herausgeschnitten und mit der Sticktechnik zu einem neuen Stück zusammengesetzt. Das Wort Sashiko bedeutet übersetzt „kleine Stiche“.

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