Blog, Buch, Interview
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Textile Geschichten mit Suschna

Susanne Schnatmeyer habe ich vor einiger Zeit bei Twitter entdeckt und seitdem bin ich begeisterte Leserin ihres Blogs „Textile Geschichten„.  Was begeistert mich so sehr, das ich ihr einen eigenen Blogpost widmen möchte? Suschna (so nennt sie sich bei Twitter) behandelt einen Aspekt von Mode und Kleidung, der im deutschsprachigen Raum leider sträflich vernachlässigt wird. Sie schreibt über textile Kulturgeschichte, das heißt sie befasst sich mit historischen Handwerkstechniken, Kleider- und Modefragen in einem kulturellen Zusammenhang und recherchiert zu diesem Zwecke in historischen Originalquellen. Ihre genaue und aufwändige Recherche fasst sie in angenehm formulierten Blogposts zusammen und veranschaulicht sie mit viel Bildmaterial. Sie gibt aber auch Tips zu Ausstellungen und zeigt in ihren Stoffspielereien jeden Monat eigene Umsetzungsversuche von verschiedenen Handwerkstechniken.

Suschna

Foto: Susanne Schnatmeyer©

Ende letzen Jahres hat Susanne dann ein wunderhübsches, kleines Geschenkbüchlein im Selbstverlag veröffentlicht. Darin erklärt sie Redensarten, die aus den textilen Handwerken  stammend, fest in unserem heutigen Sprachgebrauch verankert sind.

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Sie forscht nach warum wir aus dem Nähkästchen plaudern, den roten Faden suchen oder gar den Faden verloren haben und erklärt kurz, prägnant und vor allem unterhaltsam, wie der Ausdruck entstand.

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Hier könnt ihr euch das Büchlein noch genauer ansehen.

Ich freue mich, dass Susanne mir ein paar Fragen zu sich und ihrem Blog beantwortet hat. Danke dafür und insbesondere auch herzlichen Dank für die inspirierende Link Liste!

1. Deine Blogbeiträge sind sehr recherchenaufwändig. Wo und wie recherchierst du?

Für die Blogbeiträge habe ich meist spontane Ideen und recherchiere dann hauptsächlich im Internet und meinem Bücherschrank. Zum Glück sind inzwischen viele historische Originalquellen auch digital zugänglich. Sehr viel Aufwand macht die Suche nach Bildmaterial. Ich will ja kein Copyright verletzen, wenn ich fremde Abbildungen im Blog verwende.
Bei größeren Themenkomplexen verlasse ich mich aber nicht allein auf das Internet. Für mein Redensarten-Buch zum Beipiel habe ich viele Wochen in der Unibibliothek verbracht.

2. Du machst das alles in deiner Freizeit? Was machst du hauptberuflich?                  Neben Familien- und Ehrenamtsarbeit nehmen die Recherchen und das Schreiben inzwischen meine gesamte Zeit ein. Vom Brotberuf her bin ich eigentlich Juristin und habe bis zur Elternzeit auch lange als Juristin gearbeitet. Nebenher habe ich dann aber auch immer etwas anderes gemacht, zum Beispiel gemalt und Ausstellungen gemacht.
Inzwischen steht das Bloggen und Büchermachen im Vordergrund. Gerade der erfolgreiche Buchverkauf hat mir gezeigt, dass es für Publikationen über textile Kulturthemen einen großen Bedarf gibt.

3. Woher kommt dein Interesse an textilen Codes, Kostümgeschichte und handwerklichen Techniken?
Ursprünglich war ich hauptsächlich künstlerisch tätig und habe viel gemalt und gewerkelt. Nähen und andere Handarbeitstechniken gehörten für mich immer dazu. Über die Blogs habe ich im Textilbereich dann Gleichgesinnte gefunden, zuerst bei den Ursprüngen des MeMadeMittwoch und dann auch bei der Berlin Modern Quilt Guild. Erst ging es mehr um Techniken und Anleitungen, aber im Lauf der Zeit habe ich gemerkt, dass es auf Deutsch so gut wie keine Blogs gibt, die sich mit kulturgeschichtlichen Themen im Textilbereich beschäftigen. Das ist vor allem im englischsprachigen Raum ganz anders. Dieses Desinteresse und der Mangel an Informationen über ein eigentlich sehr wichtiges Thema hat mich gestört und ich beschloss, mich darauf zu spezialisieren.
4. Welche Blogs, Websites o.ä. inspirieren dich oder liest du selbst gerne?                         Es gibt es viele englischsprachige Seiten, die ich bewundere und die mir Mut machen.
Kate Davies z.B. ist für mich eine gelungene Mischung aus Praxis und Theorie. Auf Deutsch gibt es so einen Hybrid eigentlich gar nicht. http://kickshawproductions.com/blog/ gräbt immer tolle Sachen aus,  American Age Fashion ist eine interessante kulturhistorische Sammlung für Alltagskleidung ab 1900 in den USA, bei Textilis geht es viel um historische Textilproduktion und -wirtschaft. Das sind nur Beispiele für viel andere.
Was die Aufbereitung gemeinfreier Quellen angeht, ist die Public Domain Review für mich ein Vorbild.
Auf Deutsch gibt es zum Kulturthema Mode langsam immer mehr Blogs, Story of my Shirt gehört ja auch dazu 🙂
gaffer deluxefashion twist Texte über Kleidung und Mode oder Kleiderschrank
Dann schaue ich auch gern bei Reenactmentseiten vorbei, Kleidung um 1800 zum Beispiel ist so eine Seite, auf der immer wieder interessante geschichtliche Recherchen zu finden sind.
5. Dein erstes offline Projekt, das Geschenkbuch, verkauft sich gut schreibst du. Hast du noch weitere Pläne für Druckerzeugnisse?                                                                                                                                                                                  Ja, das Buchexperiment war ein voller Erfolg. Die erste Auflage war innerhalb von 8 Wochen vergriffen. Die 2. Auflage wird Anfang März wieder erhältlich sein und ich arbeite an einem Band 2. Mehr darüber in Kürze im Blog. Für die Zukunft habe ich noch sehr viele Ideen für Publikationen. Da ist noch ein goßes leeres Feld zu beackern, wie schön!

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1 Kommentar

  1. Pingback: Kurzwaren Nummer 15 – Diverses | Textile Geschichten

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