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Couchdecke goes Wickelrock

Der Sommer scheint nun schon eine Ewigkeit her zu sein, ich trinke wieder Tee in rauen Mengen und friere trotzdem. Deshalb will ich heute den Sommer wenigstens ein kleines bisschen zurückholen und von der französischen Couchdecke erzählen.

Sommer, Südfrankreich und Flohmarkt

Als ich diesen Sommer in Südfrankreich im Urlaub war, hatte ich die Gelegenheit mit ein paar Freundinnen einen wunderbaren Tag in Perpignan zu verbringen. Wir sind sehr früh aufgestanden, um rechtzeitig auf einem der vielen Flohmärkte zu sein. Ich habe dort gelernt, dass es in Frankreich nicht nur ein Wort für Flohmarkt gibt, sondern sehr viele verschiedene. Je nachdem welche Bezeichnung verwendet wird, bekommt man unterschiedliche Sachen. Das reicht vom marché auf dem meist neue Ware wie Kleidung, Spielzeug aber auch Obst und Gemüse verkauft werden, bis zum vide-grenier der Flohmarkt, bei dem Privatpersonen ihren alten Krempel verkaufen und der marché aux puces – eher ein Antikmarkt bei dem auch viel Geld für die angebotenen Stücke bezahlt werden.

Wir sind auf einem dieser marchés aux puces unter den Platanen gelandet und ich habe dort Menlein kennengelernt. Wir haben ganz wunderbar aneinander vorbei geredet! Mein Französisch ist, naja ausbaufähig, aber Menlein war furchtbar charmant und soweit ich das verstanden habe, hat er die alten Couchdecken seiner Mutter verkauft. Ich habe mich für die weiße und die gelbe Decke entschieden. Hier ein paar Eindrücke…

Perpigan Flohmarkt

Upcycling the summer feeling

Wieder zuhause angekommen, wollte ich ein Kleidungsstück daraus machen, das irgendwie den vorigen Verwendungszweck weiter in sich trägt. Ich habe mir vorgestellt, wie Menleins Mutter die Decke über ihr Sofa wirft und darauf ihre verschiedenen Besucher empfängt, um mit ihnen ein Glas Rosé zu trinken und ein Schwätzchen zu halten. Ich wollte also ein Kleidungsstück herstellen, das vielen verschiedenen Frauen passt. Ein Wickelrock passt sich leicht an verschiedene Figuren an und so konnte ich viele verschiedene Besucherinnen begrüßen. Ich habe ihnen allen die selben 5 Fragen gestellt, damit ihr sie ein klein wenig kennenlernen könnt (Interview immer unter dem Bild).

Viel Spaß dabei!

Melanie

  1. Beschreibe deinen Kleidungsstil in einem Satz oder 3 Adjektiven                                                              Feminin, alltagstauglich, dem Anlass entsprechend. 
  2. Was würdest du nie im Leben anziehen?                                                                                        Unbequeme Sachen und Kleidung, in der ich mich nicht wohl fühle.
  3. Gibt es ein Kleidungsstück, das dein all time favorite ist?                                                                       Meine Westen, von denen ich diverse Ausführungen habe.
  4. Was machst du beruflich?                                                                                                                                                     Werbung
  5. Was war die letzte Geschichte, die dich richtig berührt hat?                                                                  Die aktuelle Flüchtlingssituation. Wenn Flüchtlinge ein Gesicht bekommen und in den Klassen der eigenen Kinder sitzen, die Sprache nicht verstehen und keine Arbeitsutensilien haben (Klebestift, Schere, Sportkleidung), um am allgemeinen Unterricht teilzunehmen. Dinge, die für uns vollkommen normal sind.
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1. Beschreibe deinen Kleidungsstil in einem Satz oder 3 Adjektiven
College, Hooligan, bequem
2. Was würdest du nie im Leben anziehen? 
Umschnalldildo, Pelz
3. Gibt es ein Kleidungsstück, das dein all time favorite ist? 
Cap
4. Was machst du beruflich?
Synchronredaktion
5. Was war die letzte Geschichte, die dich richtig berührt hat?
Der 80jährige Arsenal Fußballfan, der auf dem Weg zu einem Spiel, im Sturm umgekommen ist.
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1. Beschreibe deinen Kleidungsstil in einem Satz oder 3 Adjektiven
– meistens leger, manchmal ein bisschen nostalgisch
– gerne Second Hand, selten „trendy“
– nicht mehr als ein Hingucker
– kein Schmuck
– Schuhe sind wichtig!
2. Was würdest du nie im Leben anziehen? 
Korsage ohne Träger
3. Gibt es ein Kleidungsstück, das dein all time favorite ist? 
Jeans kommt bei mir wohl nie aus der Mode
4. Was machst du beruflich?
Kostümanfertigungen für Theater, Film und Fernsehen (Atelier Katrin Bobek) und Folk Musik (The Moonband)
5. Was war die letzte Geschichte, die dich richtig berührt hat?                                         
Mich berühren viele Berichte in den letzten Monaten über erschöpfte, frierende, verängstigte und kranke Menschen auf der Flucht, aber auch die über den selbstlosen Einsatz von Helfern.
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1. Beschreibe deinen Kleidungsstil in einem Satz oder 3 Adjektiven            
 Eine Kombination aus Vintage, lässig und modern.
2. Was würdest du nie im Leben anziehen? 
Ugg boots/ Croqs
3. Gibt es ein Kleidungsstück, das dein all time favorite ist? 
Jeans
4. Was machst du beruflich?
Synchronredaktion
5. Was war die letzte Geschichte, die dich richtig berührt hat?  
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1. Beschreibe deinen Kleidungsstil in einem Satz oder 3 Adjektiven                       
    individuell, feminin, entspannt
2. Was würdest du nie im Leben anziehen? 
Kleidung von Primark
3. Gibt es ein Kleidungsstück, das dein all time favorite ist? 
Meine Strickjacke aus Island
4. Was machst du beruflich?
Modedesignerin
5. Was war die letzte Geschichte, die dich richtig berührt hat?                                                                         
   Film: Victoria  
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Anjas neuer alter Lieblings-Wintermantel

Vor einiger Zeit habe ich Euch Anja von all days are green vorgestellt. Und das hatte ganz erfreuliche Folgen! Sie hat mich nämlich gleich kontaktiert und wollte mit mir etwas aushecken. Bei sowas bin ich natürlich immer gerne dabei!

Anja schickte mir zwei Wintermäntel, wovon der eine ihr Lieblingsmantel ist, mit dem sie viel erlebt hat und der andere ein eher ungeliebter, selten getragener Mantel war.IMG_20151002_110042IMG_20151002_110809       IMG_20151030_130932

Ihre einzige Vorgabe war, dass sie gerne einen egg-shape Mantel hätte, alles andere überließ sie mir. Das ist doch mal eine Herausforderung, der ich mich gerne gestellt habe!  Darüber hinaus hat sie den Spieß umgedreht und mir ein paar Fragen zu meinem Blog und zu Upcycling gestellt.

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Mehr Fotos zum Entstehungsprozess des Mantels und das Interview mit mir findet ihr hier auf Anjas Blog, viel Spaß beim Lesen und ein großes Dankeschön an Anja für diese tolle Kooperation!

Ich habe mir natürlich ein Gegeninterview mit Anja gewünscht, da ich jetzt mal genauer wissen wollte, wer die Besitzerin des Mantels ist und wer hinter dem schönen Blog steht. Bitte schön:

Stelle dich bitte kurz vor: Wer bist du und was machst du?

Mein Name ist Anja Tulpa-Posch, lebe in Braunschweig mit meinem Mann und meiner Tochter und ich habe im Mai 2015 den Blog alldaysaregreen.com veröffentlicht. Das ist ein Blog zum Thema Nachhaltigkeit – ich stelle grüne Labels vor, vorrangig in den Bereichen Mode, Interior Design und bald auch Kosmetik. Außerdem gebe ich Tipps, wie man selbst seinen Alltag nachhaltiger gestalten kann und versuche mit der Kategorie „Grünes Lexikon“ etwas Transparenz in den Label-Dschungel zu bringen.

Erzähle von den zwei Mäntel: wo und wann hast du sie gekauft? Hast du sie oft getragen? 

Also, der schwarz-weiß melierte Mantel ist mein absoluter Lieblingsmantel. Gekauft habe ich ihn während eines Urlaubs in Los Angeles, Kalifornien, vor etwas weniger als 10 Jahren. Der Mantel hat schon ganz viel mit mir erlebt und auch viel abbekommen – wie zum Beispiel eine Menge Senf um 4 Uhr früh beim Wiener Würstelstand an der Urania (übrigens einer der besten Würstelstände Wiens) ☺

Den schwarzen Mantel habe ich für Business-Zwecke gekauft. Das war ein sehr seriöser Mantel, ich hab ihn in den letzten Jahren aber sehr wenig getragen, weil er nicht mehr so zu mir gepasst hat.

Warum wolltest du sie aussortieren?

Also aussortieren wollte ich nur den schwarzen Mantel, eben weil er nicht mehr so meinem Stil entsprach. Den schwarz-weißen Mantel würde ich nie weggeben, weil ich wirklich an ihm hänge, allerdings war die Form schon nicht mehr so aktuell und man hat ihm sein Alter schon langsam angesehen. Deswegen fand ich die Idee, aus diesem Mantel etwas Neues machen zu können, grandios.

Gibt es ein besonderes Ereignis/Lebensabschnitt, das/den du mit den Mänteln verbindest?

Der schwarze Mantel steht für eine Zeit, in der ich beruflich sehr viel unterwegs war, aber in dem ich auch sehr oft eine Rolle spielen musste und nicht so sehr ich selbst war.

Den schwarz-weißen Mantel verbinde ich mit meiner Studienzeit, meiner ersten Arbeits-Erfahrung, aber der steht auch für das Reisen, das ich so sehr liebe, für die Eindrücke, die man während des Reisens sammelt, für Weltoffenheit und Toleranz ☺ – ja ich sag’s ja, dieser Mantel hat es in sich ☺

Skizziere kurz Deinen beruflichen Werdegang. Welches war deine wichtigste Station? 

Ich habe in Wien Internationale Wirtschaftswissenschaften studiert und habe dann für unterschiedliche Konzerne im Marketing gearbeitet. Allerdings hat es mich vor etwa 4 Jahren privat nach Barcelona gezogen, wo ich wegen der Krise und mangels Katalan-Kenntnisse keine Stelle finden konnte. Also habe ich dann nach einer Intensiv-Ausbildung Englisch und Deutsch unterrichtet und an einem Yoga Teacher Training teilgenommen.

Barcelona war zwar beruflich gesehen die Station mit der größten beruflichen Niederlage, aber gleichzeitig auch eine für mich sehr wichtige Entwicklungs-Station – ich musste lernen, mich nicht mehr durch Arbeit zu definieren, da ich quasi von 1 Tag auf dem anderen arbeitslos war und erstmal keinen beruflichen Alltag mehr hatte. Außerdem kam dort meine Tochter auf die Welt und so musste ich mich grundsätzlich damit auseinander setzen, wer ich eigentlich bin, wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle bzw. in welchem Feld.

Du bloggst zum Thema Nachhaltigkeit – wie bist du zu diesem Thema gekommen? Gab es eine Initialzündung?

Eine richtige Initialzündung gab es nicht – ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema, allerdings nicht so intensiv wie jetzt. Ich habe lange überlegt, in welcher Art und Weise ich mit dem Thema eine berufliche Zukunft aufbauen kann. Und so habe ich im Mai diesen Jahres das Blog alldaysaregreen.com ins Leben gerufen.

Was oder wer inspiriert dich? 

Eigentlich alles, was mich umgibt: Meine Familie und Freunde, fremde Länder und Kulturen, aber auch das Netz- ich recherchiere sehr viel. Ich nehme viel mit von verschiedenen Yoga-Lehrern, die ich bisher kennen gelernt habe und deren Blogs ich verfolge, wie bspw. kaerlighed.de

Aber ich bin auch inspiriert von Menschen, die einfach tun und machen, etwas auf die Beine stellen – von diesen Menschen kann man sehr viel lernen!

Hast du Lesetipps zu deinem Thema neben deinem Blog?

Blogs bzw. Seiten, die ich inspirierend finde bzw. auf denen ich schmökere:

http://www.green-friday.de,

http://www.nicetohavemag.de

https://www.gatherandsee.com

http://www.sundaytracker.com

Was sind deine Pläne in der nächsten Zukunft? 

1000 Follower auf Facebook ☺, den Blog zu promoten, das Thema Nachhaltigkeit voran zu bringen, Menschen zu inspirieren und zu motivieren, nicht nur über Nachhaltigkeit zu sprechen, sondern auch zu handeln ☺

Nachhaltige Mode

Meine Leidenschaft aus etwas Altem etwas Neues zu machen entspringt nicht nur einer gewissen Konsumverweigerung, sondern auch dem Wunsch nachhaltiger zu leben. Schnelle Trends waren noch nie etwas für mich, das heißt ich versuche  Sachen zu kaufen, die ich über mehrere Jahre hinweg anziehen kann. Die Betonung liegt auf versuchen: Ich schaffe das leider auch nicht so konsequent, wie ich mir das wünsche. Allzu oft werde ich auch in Versuchung geführt doch ein Trendteil haben zu wollen…

Gebrauchsgegenstände wie Kleidung nutzen sich zwar ab oder entsprechen nicht mehr dem modischen Geschmack, aber wenn das Material gut genug ist, dann birgt es mindestens noch ein weiteres Leben in sich. Auf diese Weise werden Ressourcen geschont, das heißt um ein neues Kleidungsstück herzustellen, muss ich nicht einen Stoffhändler finden, der mir qualitativ hochwertigen, aber neu hergestellten Stoff verkauft, sondern ich verwende was sowieso schon da ist. Dass genug da ist, belegen diese Zahlen:

„Jährlich sortieren Haushalte in Deutschland mehr als 1,5 Milliarden Textilien aus – dies sind pro Person mehr als 12 Kleidungsstücke. Insgesamt werden 750.000 Tonnen Altkleider der Wiederverwertung zugeführt, das entspricht dem Inhalt von 60.000 LKW-Ladungen (…).“  (Quelle: Abfallwirtschaftsbetrieb München)

Ich rechne jetzt lieber mal nicht aus, wie viele neue Kleidungsstücke daraus hätten entstehen könnten!

Meine Hoffnung ist, dass sich irgendwann die Mentalität des schnellen Konsums wendet zum langsamen und bewussten Konsum. Dass heißt lieber ein tolles Kleid, das vielleicht etwas mehr gekostet hat, als 10 billige Kleider, die unter schrecklichen Umständen für Mensch und Natur hergestellt wurden.

Falls ihr also auf der Suche seid nach Mode-Labels, die nachhaltig, fair und trotzdem schick produzieren, kann ich Euch diesen Blog empfehlen:  Every day is a green day! Anja Tulpe-Posch stellt hier Mode-Labels vor, die fair und nachhaltig produzieren. Mein Traum ist es, auch irgendwann in diese Kategorie zu passen, aber da muss ich noch ein bisschen daran arbeiten… Außerdem gibt es unter anderem auch eine Kategorie „Eco City Trips“, in der bisher Barcelona zu finden ist. Darin gibt sie Tipps, wo man die besten Geschäfte für faire Mode finden kann, aber auch wo man das leckerste Eis der Stadt kaufen kann.

Sehr sympathisch das alles und vor allem lesenswert!

Kleine Umfrage

Ich bin frisch zurück aus dem Urlaub und mein Hirn ist vollgepackt mit Ideen! Ich bin über französische Flohmärkte geschlendert und habe dicke eingekauft…

Leider kann ich Euch heute aber noch kein neues Stück präsentieren, sondern ich habe eine Bitte an Euch: Bitte macht doch bei meiner Umfrage mit, es sind nur 10 Fragen, die in ca. 5 Minuten beantwortet sind.

Hier gehts lang:  Umfrage storyofmyshirt

Ich danke Euch sehr herzlich und melde mich bald mit Neuigkeiten!

Summer-Punk-Business-Lady

Wir urlauben nun ja schon seit 3 Wochen hier in Südfrankreich und bevor wir losgefahren sind, habe ich natürlich etwas vorbereitet. Und etwas gewonnen!! Ich, die nie irgend etwas gewinnt! So hat der Urlaub schon sehr schön angefangen, neben der allgemeinen Wunderbarheit von Südfrankreich natürlich.

Tanya Neufeldt hat auf ihrem Blog Lucie Marshall ein tolles Urlaubspaket verlost mit lauter schönen Dingen darin: Ihr Buch „Auf Highheels in den Kreissaal“, das ich jetzt fast schon ausgelesen habe, drei Nagellacke von treat in verschiedenen Blautönen, ein Hammer-Tuch von Soccx und ein T-Shirt von Wellicious.

Zwischen den Urlaubsvorbereitungen habe ich unter Hochdruck noch ein neues Kleid aus einem einfachen, weißen Männeroberhemd gemacht, das ich Fr. Baier aus der Reinigung abgekauft hatte. Das ganze Interview mit Frau Baier könnt ihr hier nachlesen! Und wie es der Zufall so will, passt mein Gewinn PERFEKT zu meinem neuen Kleid. Aber seht selbst!

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Die Idee mit dem Turban habe ich übrigens von der Soccx Seite geklaut. Es gibt dort ein Tutorial, wie man den Turban mit einem Dreieckstuch binden kann. Ich habe es zwar ein klein wenig anders gebunden, aber es gefällt mir ganz gut so.

Wie gefällt Euch das Outfit? Würdet ihr es in die Arbeit anziehen?

Oma Therese’s Welt

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Heute möchte ich gerne ein Projekt zeigen, das ich nicht für mich, sondern für jemand anderen gemacht habe.

Als ich das erste Mal Julias Wohnung betrat, fiel mir sofort ein unglaublich tolles, gerahmtes Foto auf. Eine schwarz-weiß Fotografie, ungefähr aus den 40er Jahren, von einer Dame im Strandkorb. Ich dachte immer, dass das ein Bild aus einem Fotografie-Bildband oder ein Foto einer Schauspielerin sei. Bis ich nun erfahren habe, dass diese schöne und glamouröse Dame Julias Oma Therese ist! Und über diese Dame gibt es einiges zu erzählen…
Liegestuhl

Julia jetzt erzähle doch mal, die Jeansbluse, die ich verarbeitet habe, hat dir Deine Oma geschenkt. Das war eine van Laack Bluse, die sehr teuer sind. War dir das bewusst?

Ja, schon. Meine Großmutter hatte bis sie ca. 90 Jahre alt war eine Modeboutique für besser gestellte, ältere Damen, in der sie hochwertige Klamotten verkauft hat, also Kaschmirpullis und Sachen von Escada und van Laack usw.

Hat sie diese Kleidung als Statussymbol gesehen?

Nicht wirklich, meine Oma war nie insofern auf Statussymbole aus, als dass sie eine Markenhandtasche getragen hätte mit einem fetten Label Emblem darauf. Es war ihr auch nicht wichtig, einem neuen Trend zu folgen, wichtig war ihr eine sehr, sehr gute Qualität zu haben, hochwertig gearbeitete Sachen und gute Stoffe, dass man wusste, wo es herkommt und gut verarbeitet war. Meine Oma hat ihre Kleidung oft über 30 Jahre getragen und die sahen wirklich noch aus wie neu. Also etwas, das ich kaum schaffen würde.

Dadurch hatte Sie wahrscheinlich auch ihren ganz eigenen, einzigartigen Stil nehme ich an?

Ja klar, dadurch dass sie die Kleidung so lange getragen hat, hatte sie einen ganz einheitlichen bzw. kontinuierlichen Stil. Was sie meistens trug, war so ein längerer Bundfaltenrock, aber auch mal etwas Schickeres aus Tweed oder einem feineren Stoff und dazu eine Bluse. Sie hat aber zum Beispiel fast nie Kleider getragen und Hosen…das war nur was für den Urlaub!

Und die Jeansbluse, aus der ich jetzt den Rock gemacht habe, kam die aus der Boutique oder hat sie die selbst getragen?

Nein, die kam aus der Boutique, die hat sie mal für mich gekauft und meinte, das wäre doch mal was „junges und frisches“ für mich, weil sie aus Jeansstoff war. Eben etwas Legereres, aber doch etwas, das ihren Qualitätsansprüchen gerecht wurde. Aber ich habe die Bluse vielleicht ein oder zweimal getragen, weil ich mich darin nie wohl gefühlt habe.  Das hat sich immer so angefühlt als wolle sie mich einkleiden, was sie gerne mit allen getan hat. Und ich wollte wiederum lieber meinem eigenen Stil treu bleiben. Ich glaube, ich war 14 oder 15, als sie mir diese Bluse geschenkt hat, also ich habe diese Bluse schon Ewigkeiten! Ich habe sie immer mit rumgeschleppt, habe mich gleichzeitig aber auch nie getraut sie wegzugeben, weil das ja die „gute Bluse“ von Oma war! Ich dachte, vielleicht kommt das noch, dass ich mich irgendwann darin wohlfühlen würde und ich müsste nur „erwachsen“ werden. Aber ich glaube, viel erwachsener als ich jetzt bin, werde ich auch nicht mehr. Es war einfach immer ein gewisser Widerwille da, mich von meiner Oma, so gerne ich sie auch mag, mit ihren van Laack Blüschen einkleiden zu lassen…

Aber jetzt lebt die Bluse ja weiter, nur in etwas anderer Form!

Genau das war das Ziel, denn so wie sie jetzt ist, ziehe ich die Bluse gern an, weil du sie eben in einen neuen Kontext gesetzt hast. Es ist etwas Neues daraus geworden, was viel mehr ich bin, als diese Bluse je war!

Lebt Deine Oma noch? Und wie lange hat sie diese Boutique betrieben?

Also meine Oma ist jetzt 103 und sie hat in der Boutique gearbeitet bis sie fast 90 war. Sie hat das Geschäft nach dem Krieg mit ihrer Schwester zusammen im Ruhrgebiet aufgebaut und hat damit auch recht gut verdient. Anfangs war das eher so ein Reparaturladen für Nylonstrümpfe. Damals war das ja nicht so, dass man sich bei dm einfach neue Strümpfe kauft, wenn die alten eine Laufmasche hatten, sondern die mussten geflickt werden. Aus diesem anfänglichen Strumpfreparatur-Service ist dann das Geschäft gewachsen. Sie stand jeden Tag selbst im Laden und hat Kundinnen beraten und hat auch immer ganz liebevoll die Schaufenster dekoriert.
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Erzähl doch mal von dem unglaublich schönen Foto, das da gerahmt in deiner Wohnung steht.

Das ist ein Urlaubsfoto, meine Oma ist zwar viel in der Welt herumgereist, aber am liebsten hat sie Urlaub an der Nordsee gemacht. Und wenn wir zusammen im Urlaub waren, wurde immer ein Strandkorb gemietet. Ich weiß leider gar nicht, wie alt sie auf dem Foto war, aber ich vermute so zwischen 20 und 30.

…ein sehr glamouröses Foto!

Ja, meine Oma ist gerne in guten Hotels abgestiegen, immer Taxi gefahren und hat sich nie die Haare selbst gemacht, sondern ist immer zum Friseur gegangen. Es war alles immer picobello bei ihr: Die Haare lagen richtig, die Kleidung saß, es sah alles immer aus, als wäre es frisch gebügelt, sie war wie aus dem Ei gepellt! Sie war aber dabei auch eine sehr belesene, intelligente und unabhängige Frau, was ich immer bewundert habe. Ihr Mann ist sehr früh gestorben und danach hat sie nie wieder geheiratet, auch wenn sie mit ihren Verehrern gern mal geflirtet hat.

Und das gestreifte Kleid, das du mir zur Verarbeitung gegeben hast, was hatte es damit auf sich?

Ja das war so ein H&M Kleid, das ich auch nur ein oder zweimal an hatte. Ich mochte die Streifen und das war so ein Hemdkleid, aber das saß irgendwie nie richtig und knitterte sofort. Aber auch davon konnte ich mich nicht trennen.

Was meinst du würde deine Oma zu dem Rock sagen?

Ich bin mir sicher, dass er ihr gefallen würde. Sie sieht nur leider nicht mehr so gut, daher würde sie ihn erst mal anfassen, um zu erfühlen, ob es ein guter Stoff ist – was er ja ist. Vielleicht ist sie aber auch ein bisschen empört, dass du die gute Bluse zerschnitten hast. Und  irgendwie, ist es ja auch eine kleine Revolte… aber ich glaube da kann sie drüber hinwegsehen und dass sie ihn, wie ich, toll finden wird… vom Stil her, der Farbkombination und vom Schnitt –  er sitzt ja auch einfach verdammt gut!

Ist denn schon Sommer?

Als ich neulich auf meinem Streifzug an einer Reinigung vorbeikam, fiel mir ein eigentlich unscheinbarer Kleiderständer auf. Daran hingen einige Kleidungsstücke, die „billig zu verkaufen“ waren. Da konnte ich natürlich nicht anders und musste ein bisschen stöbern…

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Zwischen sechs Stuhlhussen, einem Anzug, einem sehr schlabberigen Moschino T-shirt habe ich mein nächstes Projekt gefunden. Ein weiß-blau gestreiftes Carhartt Hemd aus sehr hochwertigem Köper, der sich wunderbar weich anfühlt. Ich wollte unbedingt etwas daraus machen!

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Zufällig war auch die Senior-Geschäftsführerin Frau Baier da, die ich gleich ein bisschen interviewt habe: reinigung2

Was sind das für Leute, die ihre Sachen hier nicht abholen, können sie sich sich an die Kunden erinnern?

Das weiß ich nicht, die meisten vergessen die Sachen einfach, manche ziehen weg, manchmal ist auch jemand verstorben.

Sind da auch manchmal ungewöhnlichere Sachen dabei?

Naja zum Beispiel diese Stuhlhussen. Die habe ich schon seit 3 Jahren. Ich habe gedacht, die verkaufe ich schnell und bekomme noch einigermaßen was dafür, aber wenn sie jetzt nicht bald weggehen, gebe ich sie in die Altkleidersammlung.

Das heißt, sie schmeißen Sachen dann auch weg?

Ja muss ich ja, ich habe ja gar nicht soviel Stauraum. Wir sammeln hier Sachen von insgesamt 10 Filialen, was glauben Sie was da zusammen kommt! Und wenn die Sachen 1 Jahr alt sind, dann hau ich sie raus. Aber manchmal, wenn Kunden draussen den Kleiderständer sehen, fragen sie nach, ob ich vielleicht noch etwas habe von ihnen. Dann gehen wir gemeinsam in den Keller und suchen.

Sie führen also das Nummernsystem im Keller fort?

Ja sicher, ich ordne das auch nach Datum, also jetzt werden Sachen von März 2014 verkauft.

Was verkauft sich denn gut?

Das kommt auf den Stadtteil drauf an. In Schwabing suchen sich die Leute erst die Markensachen heraus.So ein ein altes Hugo Boss Hemd, das teilweise schon kaputt ist, das verkaufe ich trotzdem noch für mindestens 10 Euro, manchmal handeln sie noch auf 8 runter.  Aber in Moosach zum Beispiel schaut kein Mensch auf Marken, da sind die froh, wenn sie etwas Schönes, Gereinigtes zum Waschpreis bekommen. Die letzten Restsachen gebe ich dann auch mal für 2 Euro her und manchmal schenk ich auch was her, wenn jemand gar kein Geld hat.

Den eigentlichen Besitzer des Carhartt Hemdes herauszufinden, war leider unmöglich. Ich stelle mir aber einen Mann vor, der vielleicht mal Skater oder Snowboarder war. Jetzt Mitte 30 hat er einen festen Job, vielleicht bei einer Werbeagentur, in dem er auch Kunden betreuen muss. Um seinem alten Ich nicht völlig untreu zu werden, kauft er immer noch Kleidung seiner alten Skater-Marke, aber eben nicht mehr die Schlabberpullis und Baggypants, sondern Hemden. Er muss ordentlich aussehen, das Hemd darf nicht nach Joints und Schweiß riechen, also gibt er es in die Reinigung. Er hat riesige Sehnsucht nach der Freiheit und dem ungebundenen Leben von früher. Er vergisst das Hemd abzuholen, bevor er seinen Job hinschmeißt und doch Senior-Profi-Skater wird.

Ich habe das Hemd zerlegt und….

carhartthemd2zusammen mit dem restlichen Innenfutter von Reinhards Jacke ein Sommerkleid daraus gemacht.

Voilà mes amis, jetzt fehlt nur noch die französische Riviera dazu…!

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